Ein sanfter Windhauch streicht durch den abendlichen Palastgarten. Kaiser Shen-Nung, vom Tag erschöpft, lässt sich am Fuße eines Baumes nieder und verlangt eine Schale Wasser - nach altchinesischer Tradition frisch abgekocht. Aber bevor das heiße Nass die Lippen des durstigen Herrschers befeuchten kann, weht eine kräftige Brise ihm einige Blätter in die Schale. Im Nu verwandeln sie das Wasser in eine goldgelbe, duftende Flüssigkeit.
Der Kaiser stutzt, dann jedoch siegt seine Neugier: vorsichtig nimmt er einen Schluck – und wird so zum Entdecker des Tees. Ob's wirklich stimmt, dass es den experimentierfreudigen Kaiser gegeben hat, wird heute, mehr als 4000 Jahre später, angezweifelt. Vermutlich handelt es sich um eine der vielen Legenden, die sich um die Ursprünge des würzigen heißen Trunks ranken. Sicher ist, dass die Menschen in China die Kunst des Teekochens bereits lange vor der Zeitenwende kannten. Erst im 17. Jahrhundert brachten Handelsschiffe das Getränk nach Europa.
Schwarz oder grün: der Teestrauch bleibt derselbe
Alle Tees stammen von derselben Pflanzenart, dem Teestrauch Camellia sinensis. Je nach Anbaugebiet und Verarbeitung entstehen die verschiedenen Teesorten. Die meisten Menschen in Europa bevorzugen schwarzen Tee, der sich durch einen Gärprozess bildet. Nach der Ernte rollt eine Maschine die Blätter, bis sie aufbrechen und Pflanzensaft austritt. Die Enzyme in dem Sud vergären das Blattwerk innerhalb weniger Stunden, wobei es sich dunkelbraun verfärbt. Diese Fermentation verändert das Aroma und löst Koffein aus seiner Bindung mit Gerbstoffen, so dass der Körper den anregenden Stoff leichter aufnehmen kann. Schwarzer Tee wirkt deshalb anregender als die anderen Sorten.
Die beliebtesten Schwarztees sind:
Grüner Tee ist der ursprünglichste
Tee
Er wird nicht fermentiert, sondern gleich nach der Ernte getrocknet - so bleibt die grüne Blattfärbung erhalten. Der Aufguss leuchtet gelb. Lange Zeit galt er in China als Heilmittel zur Stärkung und Anregung. Die Fermentation entdeckten die Chinesen erst viele Jahrhunderte später, um die verderbliche Handelsware haltbarer zu machen. Zu den beliebten grünen Sorten zählt der
Belebend oder beruhigend: auf
die Zeit kommt's an
Je nach Ziehzeit kann Tee anregen oder beruhigen. In den ersten drei Minuten löst sich viel Koffein aus den Blättern, der Trunk wirkt belebend. Die anregende Wirkung tritt schonender ein als beim Kaffee: Koffein aus Tee nimmt der Körper langsamer auf. Nach drei Minuten Ziehzeit geben die Teeblätter vor allem Gerbstoffe ab – der Tee entspannt und beruhigt, schmeckt aber bitterer.
Tee-Tipps: die Kunst des Kochens
Die Qualität des Wassers: mit ihr steht und fällt das Gelingen eines aromatischen Aufgusses. Zu hartes Wasser macht selbst den edelsten Tee zur trüben, schalen Brühe. Lediglich herbe und kräftige Teesorten wie Assam oder Ceylon vertragen kalkhaltiges Wasser, nicht jedoch milde Sorten wie Darjeeling oder Oolong. Durch kurzes Abkochen senken Sie den Kalkgehalt des Wassers. Reicht das nicht aus oder schmeckt Ihr Leitungswasser nach Chlor, können Sie stilles Mineralwasser mit wenig Kalzium verwenden.
Genuss mit Muße: die japanische
Tee-Zeremonie
In Tausenden von Jahren Teekultur entwickelte sich eine Philosophie des entspannten Genießens. Anders als beim Kaffee, dem Sinnbild hektischer Umtriebigkeit, braucht es zum wahren Teegenuss Zeit - wie etwa bei der japanischen Zeremonie: Mit viel Muße und nach einer ritualisierten Choreographie bereitet hier der Gastgeber einen kräftigen Grüntee, den er anschließend gemeinsam mit seinen Gästen trinkt. Auch wenn es nicht nötig ist, dieser zeitraubenden Prozedur nachzuefern: Das Zubereiten und Trinken von Tee bringt Ruhe in Ihren Alltag. Schon das Aufbrühen ist ein sinnliches Ereignis. Wenn die Blätter knistern, das Wasser gluckst und sprudelt, die quellenden Blätter leicht Sirren und der würzige Duft in die Nase steigt. So ist der Geist bereits entspannt, noch bevor der erste Schluck wohlig auf der Zunge schaukelt - die beste Voraussetzung, um die Köstlichkeit aus Asien richtig zu genießen.
(Quelle: Apothekenmagazin "Gesundheit")
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